5 Jahre SubWay !
Also die richtige Zeit, um ein paar persönliche Statements
und Informationen abzugeben.
Ich heiße Simon Thaur, Jahrgang 1960, und bin in Tirol
in einer Musikerfamilie aufgewachsen, in einem sehr warmen
Elternhaus. Mit 17 Jahren habe ich Österreich verlassen,
um die nächsten 14 Jahre ein unkonventionelles Leben
ohne festen Wohnsitz zu führen, davon 2 Jahre in London,
2 Jahre in Italien, 1 Jahr in Griechenland, ½ Jahr
in Israel und 3 1/2 Jahre in Asien.
Während dieser Zeit war ich die meiste Zeit damit beschäftigt,
ein eigenes Astrologiesystem auszuarbeiten und schriftlich
in insgesamt 5 Büchern zu fixieren, habe aber auch Phasen
als Comic-Zeichner und Musiker verbracht.
1988 fing ich an, meine bereits damals vorhandenen sexuellen
Eska-paden auszubauen, und Männlein wie Weiblein, die auf
meiner Wellenlänge waren, in ein „Reise-Kommune-Projekt“
mit einzubeziehen.
Mit 30 Jahren bekam ich wie viele andere in diesem Alter eine
Sinnkrise und kehrte nach Europa zurück, mit dem Ziel,
die verschiedenen Ideen, die sich im Laufe der Zeit in meinem
Kopf angesammelt hatten, in die Realität umzusetzen.
In München lernte ich meine Lebensgefährtin Kirsten
kennen, mit der ich 1993 nach Berlin zog und 9 Monate später
den KitKatClub als zeitgemäße „Tanz- und Spielstätte
für Erwachsene“ gründete. Die Mischung dieser
beiden Elemente ist keine besonders raffinierte kommerzielle
Mischkalkulation, wie viele glauben, sondern entsprang meinem
Wunsch, eine geeignete Kondition zu finden, die das Bedürfnis
nach sexuellen Abenteuern mit den Werten einer Partnerschaft
verbindbar machen könnte. Auf gut deutsch, existiert der
Club, weil ich selber auf die Pauke hauen wollte !
Persönlich hatte ich schon immer Pornos konsumiert und
bedauert, dass immer nur „Schubladen“ existierten:
einerseits die professionellen „Edelglanz-Produktionen“
mit nachvertontem Gestöhne, andererseits die Casting-Filmchen,
wo der persönliche Sprung der Darstellerinnen zwar eingefangen
wurde, aber leider gezwungenermaßen auf Kosten des „HardCore“.
Es gab auch die etwas härteren anal- und später faustfickbetonten
Produktionen, die SM-Schiene, die Ekelkiste usw., aber durch
die Beschränkung auf die jeweilige Praktik waren diese
sehr schnell berechenbar. Man weiß ganz genau, erst lecken
sie, dann wird geblasen, dann erst vorne ficken, als Höhepunkt
ein wenig anal oder Faustfick, dann spritz , und das war´s
- die nächste Szene wieder genau dasselbe, nur mit einer
anderen Person. Von atmosphärischer Dichte oft keine Spur,
viel zu viele Rein-Raus-Nahaufnahmen ohne dazugehörigem
Gesicht und zu wenig Szenario.
Es
gab jedoch für mich einige wenige Highlights, die vielleicht
unter-bewusst den Auslöser für das gesetzt haben,
was später in meinen Filmen zum Standart wurde: dazu gehörte
DOC von Dino, JOSEPHINE MUTZENBACHER 1. TEIL, SKANDAL AUF DEUTSCHEN
STRASSEN und auch gerne die ersten GGG-Filme, aber auch EXCUSE
ME und die TINTO BRASS - Filme.
Im
Laufe der Zeit begann ich, diverse nicht gestellte Aktionen,
die im Club stattfanden, mit der Kamera aufzunehmen, wenn es
auch noch eine Zeitlang dauerte, bis ich die kreative Freude
an Kameraführung und Schnitt entdeckte.
Mein
Anspruch war von Anfang an, dass sich die Filme in ihrer Art
von allen anderen abheben müssen ähnlich wie der KitKatClub
innerhalb der Clubszene eine Sonderstellung innehat.
So kam es zu den ersten 3 Serien:
SEX
TRANCE BIZARRE, wo es mir um den rein erhaltenen authentischen
Charakter ohne Beeinflussung ging, eine Dokumentation sozusagen,
mit dem besonderen voyeuristischen Blickwinkel.
Mein persönliches Kommunikationstalent mit dem weiblichen
Geschlecht, gepaart mit meinem Hang zum Unkonventionellen, wurde
sehr schnell zum Stilmittel in EXPERIMENT: AUSGELIEFERT SEIN
!
Wichtig ist mir hier der Sprung der weiblichen Protagonistinnen
nach dem Motto: Was passiert, wenn man einfach mal nicht nein
sagen DARF! Der Wert dieser Serie liegt gewissermaßen
in der psychologischen Konfrontation der Frauen mit dem für
sie nicht einschätzbaren männlichen Element.
Die sexuelle Orientierung dieser Serie lag anfangs viel mehr
im SM-Bereich, aber weil das Thema „Gewalt“ in Deutschland
von den zuständigen Stellen aus Mangel an Aufklärung
oberflächlicherweise gern mit SM-Praktiken assoziiert wird,
habe ich davon Abstand genommen, um nicht ein Sündenbock
für etwaige Pseudo-Moralisten zu werden.
In BREAKING TABOOS ging es mir eigentlich um das Wissen, wie
weit kann ich in der Öffentlichkeit gehen, bis man mich
„verhaftet“ ? Tatsächlich war ich anfangs sehr
nervös und hätte auch ganz schnell den Dreh abgebrochen,
wenn die Reaktionen der Leute auf der Strasse nicht immer so
ausschließlich positiv gewesen wären. Selbst die
Polizisten, die nun wirklich jedes 2. Mal angetrabt kamen, entpuppten
sich als Menschen fernab von der ihnen nachgesagten Engstirnigkeit.
In der Zwischenzeit hatte ich mit dem Teil der weiblichen Crew,
der auch zu meinen privaten Freundinnen zählte, einige
wildere Praktiken spielerisch „erobert“, insbesondere
im Ekelbereich, und siehe da, auch hier gilt, es ist längst
nicht alles so schlimm wie man es sich so vorstellt.
Nach
so viel Spontaneität innerhalb der verschiedensten Konditionen
überkam mich schließlich das Bedürfnis nach
einer Story-Handlung und atmosphärischem und sprachlichem
Aufbau bestimmter Charaktere, wie es auch in normalen Filmen
der Fall ist. Ich entdeckte immer mehr mein Interesse an Kameraführung
und Schnitt, und gemäß den philosophischen Vorgaben
der dänischen DOGMA 95 –Filme entwarf ich die Serie
AVANTGARDE EXTREME, in der ich mich dem Thema „Perversion“
szenisch annähern wollte, mit einem guten Schuss schwarzen
Humors a la Monthy Python.
Der eigentliche Clou dieser Serie ist es, mit Null-Budget einem
Handlungsrahmen filmtechnisch und verbal so gut es möglich
ist, gerecht zu werden - trotz schauspielerischen Laiendarstellern,
bei gleichzeitig alles umfassenden HardCore-Anteilen. Mein bevorzugtes,
von „Profis“ belächeltes, Aufsatzlicht erlaubt
dabei eine extrem schnelle und unkomplizierte Arbeitsweise.
An einem solchen Film schneide ich allerdings bis zu 3 Wochen
bis zur endgültigen Fertigstellung. Tatsächlich erhalte
ich auf diese Serie auch Resonanz von verschiedenen Film- und
Theaterregisseuren, die -sieh einer an- auch gerne Porno schauen.
Begegnungen mit diesen Menschen führten dazu, dass ich
zur Zeit ernsthaft über einen (wahrscheinlich erotischen)
Kino-Film nachdenke.
Das Thema KV ist natürlich umstritten, und genau darin
liegt auch der Reiz für mich. Deshalb gibt es inzwischen
auch eine 2. Serie mit diesem Element, allerdings ohne Storyhandlung
und wieder im authentischen Rahmen: PORTRAIT EXTREME.
Die jüngste Serie 3 BENGEL FÜR CHARLY erfand ich,
weil inzwischen der Perverso-Standart so hoch geworden ist,
dass der Sprung für neue Darstellerinnen einfach zu groß
war ( Diesen Standart konnten die früheren Models schließlich
noch über mehrere Filme spielerisch entwickeln ). Zwar
sind in dieser „Casting-Comedy“ auch härtere
Elemente wie NS, Anal und Peitsche enthalten, aber in einer
Intensität, die auch für Neulinge akzeptierbar ist.
Der Aufbau von Vertrauen mit den Darsteller/Innen während
der Drehs ist natürlich der Schlüssel zu einem Endergebnis,
wie ich es vorweisen darf.
Ganz ähnlich wie in einer guten Beziehung tritt nach meiner
Erfahrung eine sexuelle Weiterentwicklung oft erst mit der Zeit
ein, wenn man sich besser kennt.
Neben dem Club und dem Filmen widme ich mich zurzeit auch intensiv
meinem 3. großen Projekt, dem Aufbau des KitKatClub-Musiklabels
und dem komponieren eigener Musik.
Portrait & Statements by Simon Thaur
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